Die Macht des gesprochenen Wortes

„Reden kann er!“ Das waren Worte, die ich im Studium häufig hörte. Ich habe diese Worte dankend angenommen, aber selten deren Bedeutung reflektiert. Doch mit den Jahren wird mir nicht nur die Bedeutung des gesprochenen Wortes, sondern vor allem der Wert, die Worte sprechen zu können, immer bewusster. Wie oft ringen wir mit den Worten, können nicht denken und reden gleichzeitig und nicht das formulieren, was unser Herz sagen will.

Gerade die Sprachlosigkeit der Sprachlosen, die Stille der Schweigenden und das Unverstandensein durch Unausge -sprochenes, machen das Leben für viele so schwer. Und zwar für den, der sich die Worte zu hören wünscht und für den, der sich die Fähigkeit des Formulierens erhofft. Was, und um wieviel besser würden wir so vieles kommunizieren, wenn wir nur dazu in der Lage wären? Wie oft haben wir uns schon vorgenommen der Person unseres Herzens einmal ganz unverblümt und leidenschaftlich zu beschreiben, wie sehr sie unser Leben bereichert, wie sehr sie unseren Tagen mehr Leben gibt, wie sehr wir uns nach ihr verzehren, wie unbeschreiblich groß unsere Sehnsucht ist und wie sie uns den Atem raubt. Und all diese Sehnsuchtsschmerzen in unserem Herzen und Wortfetzen in unserem Kopf entladen sich dann als Liebeserklärung mit einem „I mog Di!“.

Auch unser Business sollte eine ausgesprochene Liebeserklärung sein, sei es die Liebe zum Produkt oder die Liebe zum Kunden. „Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe“ meinte Khalil Gibran. Jede Präsentation sollte doch eine doppelte Liebeserklärung sein: An das Produkt oder die Dienstleistung, die man präsentiert und an die Menschen, die einem Lebenszeit schenken, um den Worten zu lauschen.

Eine häufig zitierte Wallstreet-Journal-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 84 Prozent aller Präsentationen als ermüdend angesehen werden und nur drei Prozent die Zuschauer begeistern. Frank Thelen, aus der ´Höhle des Löwen`, meinte in einem Interview mit dem Harvard Business Manager: „Einer meiner ersten großen Pitchs war der Verkauf meiner alten ERP-Software. Der Kunde fiel mir mittendrin ins Wort und sagte: »Das ist die schlechteste Präsentation, die ich in meinem Leben gehört habe. Ich habe kein Interesse an ihrer Software.« Noch am selben Abend begann ich, Bücher über Präsentation zu lesen und sah mir Keynotes erfolgreicher Unternehmer im Internet an. Seitdem hat kein Kunde, kein Investor oder Partner noch mal eine Präsentation von mir unterbrochen.“